Liebe Medienvertretende,
wir würden uns sehr über ein Vorankündigung unserer Veranstaltung in Theater Marl freuen. Dort wird am 5. Oktober um 19:30 Matthias Brandt & Jens Thomas ihr neues Bühnenprogramm "Dämon" präsentieren.
Photos credits Brandt/Thomas: Steven Haberland credits triosence: Bernhard Schüler

Jazz und Theater führen den Wahnsinn auf


Das Marler Theater wird erstmals Spielort der Konzertreihe FineArtJazz. Zum Auftakt dieser Zusammenarbeit gastieren Schauspieler Matthias Brandt und Komponist Jens Thomas mit ihrer Wort-Musik-Collage »DÄMON«. Das Programm verbindet Schauspiel und Jazz, literarische Lesung und Live-Komposition – eine Verschmelzung der Kunstformen, die für beide Partner programmatischen Charakter hat.
Was die beiden auf die Bühne bringen, ist kein zeitgeistiges Kulturhäppchen, sondern echte Literatur, die ans Eingemachte geht: Guy de Maupassants Novelle »Le Horla« aus dem Jahr 1887 erzählt von einem Mann, dessen Realität langsam zerbröckelt. Erst sind es Schlafstörungen, dann merkwürdige Vorfälle, schließlich die Gewissheit: Ein unsichtbares Wesen hat von ihm Besitz ergriffen. Maupassant, selbst von Syphilis und psychischen Krisen gezeichnet, schrieb einen Text, der die Grenze zwischen Außen und Innen, zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit gezielt verwischt.


Collage statt Linearität


Die Form, die Brandt und Thomas wählen, ist selbst schon Programm. Eine Collage aus gesprochenem Wort, Songs und Live-Soundtrack erlaubt Brüche, Wiederholungen, Überlagerungen. Brandts Stimme moduliert die Verunsicherung, flüstert, drängt, bricht ab. Thomas antwortet musikalisch: dunkle elektronische Texturen, klavierbasierte Motive, plötzliche Klangblitze. Das Bühnenbild bleibt reduziert – der eigentliche Raum ist der Klang selbst.

Entscheidend sind die improvisatorischen Momente. Hier zeigt sich, was Jazz als Haltung bedeutet: die Fähigkeit, im Moment zu reagieren, auf den Raum, aufs Publikum, aufeinander. Das ist nicht nur ästhetisch reizvoll, sondern thematisch konsequent: Wenn es um den Verlust von Kontrolle geht, um Wahrnehmungen, die sich verselbstständigen, dann muss auch die Form diese Unvorhersehbarkeit spiegeln.
In Zeiten von Filterblasen, Deepfakes und alternativen Fakten gewinnt diese 138 Jahre alte Geschichte in der kreativen Aufbereitung durch dieses Duo neue Brisanz. Wer kontrolliert eigentlich unsere Wahrnehmung? Wann kippt berechtigtes Misstrauen in Paranoia? Brandt und Thomas stellen diese Fragen im Marler Theater nicht theoretisch, sondern sinnlich: als Wort-Musik-Collage, die das Publikum direkt in die Innenwelt einer zerfallenden Psyche zieht.


Zwei Könner ihres Fachs


Matthias Brandt, Jahrgang 1961, hat längst bewiesen, dass er mehr kann als den sympathischen Tatort-Kommissar geben. Nach seiner Ausbildung an der Ostberliner Hochschule Ernst Busch spielte er an Häusern wie dem Deutschen Theater und der Schaubühne, später folgten Film- und Fernsehrollen, Hörbücher, eigene literarische Texte. Brandt ist ein Meister der Nuance, einer, der psychologischen Realismus nicht als Naturalismus missversteht, sondern als Kunst der feinen Differenzen.
Jens Thomas, 1963 geboren, bewegt sich souverän zwischen den Genres und mischt sich selbst auch aktiv darstellerisch ein. Der Komponist, Pianist und Sänger hat mit Meret Becker, Anna Thalbach und Max Raabe gearbeitet, seine Musik verbindet Pop, Jazz und zeitgenössische Theaterästhetik. Seine Musik ist keine Untermalung, sondern Gegenüber, Kommentar, eigene Erzählstimme. Er war bereits mit Jürgen Spiegel (Tingvall Trio) mit seinem Projekt »Neil Young Collage« in der Reihe FineArtJazz im Schloss Horst zu erleben..

Am 8. November ist dann das Piano-Trio „triosence“ bei FineArtJazz in der Scharoun-Aula zu Gast. Triosence gehört zu den erfolgreichsten Jazztrios in Deutschland und sind auch im Ausland ein Aushängeschild für Jazz Made in Germany. Am 8.11. stellen sie ihr neues, im Oktober erscheinendes Album „Stories Of Life“ vor.

Konzerttickets gibt es unter www.publicjazz.de oder in allen bekannten Vorverkaufsstellen (zzgl. VVK-Gebühr).
Habichtsweg 14
45894 Gelsenkirchen
www.jazzundkunst.net
Email Marketing Powered by MailPoet